DAS WORT IST FLEISCH GEWORDEN

Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; Er ist der Messias, der Herr.

Lukas 2,10-11


Mit der Geburt des Erlöserkindes beginnt die Fülle der Zeit. Sie führt die Geschichte und ihre zeitlichen Ereignisse weit über Raum und Zeit hinaus. Sie trägt den — durch den Tod begrenzten — Lauf der Zeit hinein bis ins ewige Leben, das nicht vergeht.

Geschichte und Ewigkeit, Himmel und Erde, Fülle Gottes und Fülle der Menschheit treffen in der Geburt dieses kleinen Neugeborenen aufeinander.

Das Wort ist Fleisch geworden und hat sein Zelt unter uns aufgeschlagen. Emmanuel, Gott mit uns.

Der unwiderstehliche Elan seiner Liebe drängt Gott dazu, nicht an der Hoheit seiner Ungeschaffenheit festzuhalten. Er, der in den Abgründen Seiner ewigen Gottheit Verborgene, verbirgt sich jetzt auch in einem ganz kleinen Säugling, indem Er dessen Fleisch annimmt.

Dieser selbe Elan, der von aller Ewigkeit her das Leben des Vaters und des Sohnes in einer Hauchung ohne Anfang und ohne Ende ist, drängt Ihn hin zu den Adamssöhnen. Und zwar so sehr, dass Er, unser Gott „die Seite wechselt“. Besser gesagt, Er geht auf die Seite jenes Anderen hinüber, den Er selbst als Abbild seiner Schönheit geschaffen hat: Den Menschen, der nicht Gott ist. Sein Geschöpf, das sich nach dem ungeschaffenen Licht der Liebe Gottes sehnt. Gott kann ihm nicht widerstehen: Die Liebe zum Menschen geht so weit, dass Er sich auf das Nichts des Menschen beschränken lässt, ohne dabei aufzuhören, Gott zu sein.

In seiner göttlichen Person verwirklicht Er die Einheit der beiden Naturen, der göttlichen und der menschlichen, ohne Vermischung und ohne Veränderung. Jede Natur bleibt für sich gewahrt, als die, die sie ist.

Gott und Mensch: Gott, vor aller Zeit aus der Substanz des Vaters gezeugt, und Mensch, geboren in der Zeit aus der Substanz seiner Mutter. Ein unergründliches Geheimnis, das zu erfassen wir radikal unfähig sind. Diesem Geheimnis gebührt es, in Bewunderung empfangen zu werden, in einem Staunen, das in Anbetung mündet.


O Geheimnis, unfassbarer als jedes andere.
Indem Gott Mensch wird, macht Er sich fassbar,
und erscheint zugleich nur noch unbegreiflicher.
In der Enthüllung bleibt Er verborgen.

Heiliger Maximus Confessor

Ieshua'